Tipps für Angehörige

Schwerhörigkeit betrifft bei weitem nicht nur die Ohren. Das Hören und die Sprache ist eines unserer wichtigsten Kommunikationsmittel. Deshalb hat eine Hörminderung nicht nur für die Betroffenen selbst weitreichende Konsequenzen.

Wenn zum Beispiel bei Gesprächen in der Familie oder mit Bekannten die Betroffenen nicht vollständig folgen können, entsteht mitunter der Eindruck im Umfeld, dass die betroffene Person kein Interesse an der Unterhaltung hat. Durch das Fehlen von Sprachinformationen eignen sich viele Betroffene auch Strategien und Taktiken an, um ihrem Alltag besser meistern zu können. Ablesen von den Lippen sowie starkes konzentrieren auf Mimik und Gestik sind klassische Methoden. Leider lassen durch solche Strategien auch die Konzentration bei den Betroffenen schneller nach als bei Normalhörenden.

Sprechen Sie Personen in Ihrem Umfeld, bei denen Sie eine Hörminderung vermuten, an. Es ist wichtig Menschen mit gemindertem Gehör wieder aktiv in das soziale Leben mit einzubeziehen, da sonst Isolation eine Folge sein könnte.

Besonders Familienangehörige können helfen die Nähe und zwischenmenschliche Beziehung aufrechtzuerhalten. Ein schlechtes Gehör kann zahlreiche seelische Probleme mit sich mit sich ziehen und ein Beschleuniger für weitere Erkrankungen sein. Studien belegen, dass eine Hörminderung, die nicht mit Hörgeräten versorgt wird eine mögliches Demenzrisiko deutlich erhöhen kann.

Mit Hörproblemen umgehen

Schwerhörende Menschen benötigen Unterstützung in ihrem täglichen Umfeld. Dabei sind die direkte Ansprache sowie langsames und deutliches sprechen nur zwei von zahlreichen Möglichkeiten, wie man als Angehöriger mit Hörproblemen umgehen kann. Vermeiden Sie akustisch ungünstige Räume. Generell gilt: Je komplexer die Hörsituation für den Schwerhörenden ist, umso schwerer wird eine Unterhaltung möglich sein. Zeigen Sie Verständnis für den Betroffenen und unterstützen ihn z. B. bei der Platzwahl. Sprechen Sie schwerhörende Menschen immer direkt und von vorne an. Sprechen Sie ruhig und langsam. Schreien hilft nicht! Eine deutliche Ansprache ist hilfreicher als unnötige Lautstärke.

Strategien erkennen

Viele Menschen mit geminderter Hörfähigkeit wollen sich ihre Hörprobleme nicht eingestehen. Die „drohende“ Hörgeräteversorgung und die Stigmatisierung von Hörgeräten sorgt auch heute noch bei vielen Menschen dafür, dass das Thema zunächst verdrängt wird.

Ob auch in Ihrem Umfeld jemand von Schwerhörigkeit betroffen ist, lässt sich vielfach nur schwer feststellen. Ein zu laut eingestellter Fernseher oder Radio können erst Hinweise geben. Auch Aussagen wie: “Du nuschelst“ oder „Sprecht doch mal deutlicher!“ sind bei Schwerhörigen keine Seltenheit. Ein weiteres Indiz für ein gemindertes Hörvermögen ist, dass schwerhörige Menschen häufig lauter sprechen, da sie ihre eigene Stimme auch leiser wahrnehmen.

Sollten Sie auch das Gefühl haben, dass in Ihrem Umfeld jemand nicht gut hört ist es aus unserer Erfahrung wichtig, dass Sie sensibel und einfühlsam versuchen, den betroffene Personen die Bedeutung des besseren Hörens zu vermitteln. Für die Vitalität des Gehirns und für ein aktives Leben ist es von größter Bedeutung, gut zu hören.

Wichtig ist auch: Die Betroffenen sind nicht allein. Immerhin gibt es in Deutschland mehr als 15 Millionen Menschen mit einem geminderten Hörvermögen. Ab dem 60sten Lebensjahr lässt sogar bei rund die Hälfte aller Menschen das Hörvermögen nach.

Ein Hörtest, auch gerne gemeinsam, ist dabei ein erster Schritt. Gehen Sie diesen Weg einfach zusammen. In den Hörakustiker-Fachgeschäften wird Ihnen dieser Service kostenlos angeboten!
Probleme ansprechen

Viele Menschen sind sich der Schwerhörigkeit nicht bewusst, oder wollen sich diese nicht eingestehen. Eine Schwerhörigkeit ist ein schleichender Prozess. Sie tritt meist nicht spontan auf. Um einer Ihnen nahestehenden Person zu sagen, dass es möglicherweise Hörprobleme gibt, sollte man möglichst einfühlsam vorgehen. Niemand mag auf körperliche Schwächen plump hingewiesen werden, vor allem da eine Schwerhörigkeit meistens noch mit einer peinlichen Behinderung verbunden wird. Es ist daher wichtig der betroffenen Person verständlich zu machen, dass es keinesfalls peinlich ist und es viele Möglichkeiten gibt, eine Hörminderung zu behandeln.

Moderne Hörgeräte sind heute sehr klein und unauffällig und bieten dennoch einen riesigen Nutzen. Bieten Sie an, den Betroffenen zu einem Hörtest beim Hals-Nasen-Ohrenarzt oder in ein Hörakustiker-Fachgeschäft zu begleiten.

Richtig helfen

  • Mit einigen einfachen Ratschlägen können Sie den Umgang erheblich erleichtern.
  • Reden Sie langsam und deutlich.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Mundbild frei ist. Bitte nicht mit Essen im Mund sprechen, nicht mit der Hand beim Sprechen den Mund verdecken.
  • Nutzen Sie deutliche Gestik und Mimik.
  • Schreien Sie nicht.
  • Nebengeräusche wie TV und Radio abschalten.
  • Positionieren Sie sich auf der Seite des besser hörenden Ohres oder gegenüber.
  • Wiederholen Sie Wichtiges, bzw. fassen Sie es kurz zusammen.
  • Haben Sie Geduld und wiederholen Sie Unverstandenes.
  • Hilfsmittel für den TV, die Türklingel und das Telefon können bei Ihrem Akustiker erworben werden.

Der Weg zur Hilfe

Aller Anfang ist leichter als man denkt. Insbesondere dann, wenn es viele offene Fragen oder Unsicherheiten gibt. Hörgeräte steigern die Lebensqualität, heute mehr denn je. Motivation und Unterstützung aus dem Umfeld helfen den Betroffenen und sorgen so für gemeinsame, positive Erlebnisse. Gemeinsam dem Zwitschern der Vögel oder dem Rauschen des leichten Windes zu lauschen wird ein neues und schönes Erlebnis sein. Zu erleben, wie Menschen mit Hörgeräten wieder aktiver werden und weniger Unterstützung benötigen ist ein großartiger, gemeinsamer Erfolg. Machen Sie sich auf den Weg – es lohnt sich!

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